So familienfreudig ist der Landkreis Kronach

Das Familienbündnis feiert am Donnerstag sein fünfjähriges Bestehen. Die Koordinatorin Claudia Ringhoff zieht im Gespräch Bilanz und stellt fest: Mit der Entwicklung der Familienfreudigkeit ist es wie beim Hausbau.

Kronach — Wir haben mit Bündnis-Koordinatorin Claudia Ringhoff unter anderem darüber gesprochen, wie familienfreudig der Landkreis Kronach ist und was noch zu tun ist.

Wie familienfreudig ist der Landkreis Kronach?
Claudia Ringhoff: Familienfreudigkeit gibt es nicht per se, sie ist immer individuell, muss entwickelt werden. Es ist wie bei einem Hausbau: Man muss sich darüber unterhalten, wie das Haus gebaut werden soll, daran arbeiten, irgendwann auch renovieren. Nur so wächst es immer weiter, wird schön und bewohnt. Wir haben an vielen Stellen im Landkreis tolle Fundamente von Familienfreudigkeit. Die soziale Versorgung wird von Bürgermeistern und Politik schon lange vorangetrieben und unterhalten, was in finanziell schlechten Zeiten gar nicht einfach ist. Über eine klare familienfreudige Ausrichtung kann unser Miteinander in den Gemeinden aber noch mehr an Qualität gewinnen. Es ist eben wie beim Hausbau auch, ob Holz-, Steinhaus oder gar schicke Villa, es braucht jemanden, der sich um den Bau kümmert. Und es ist ganz klar, dass man kleine Gemeinden nicht mit großen vergleichen kann.

Wie kann man auf diese Fundamente aufbauen?
Das geht nur, wenn die Bevölkerung die Idee versteht und mitgeht. Sie ist der Auftraggeber von Politik und Verwaltung. Die Bürger tun schon jetzt ihren Teil dazu; das ehrenamtliche Engagement und das Vereinsleben sind bei uns sehr stark ausgeprägt. Es geht darum, all dies gut und manchmal auch neu zusammenzubinden – und es braucht ein klares „Ja“ des Gemeinderates, sich stärker dem Thema Familie annehmen zu wollen. Eine Gruppe kann sich dann Gedanken machen, was haben wir bereits, was davon sollten wir noch ausbauen, was wollen beziehungsweise brauchen wir noch und wie genau gehen wir das an. Diese Gruppe kümmert sich – wenn wir es wieder mit einem Haus vergleichen – also um den Hausbau beziehungsweise -ausbau. Ein guter Anlass für eine Gruppengründung kann die Beschäftigung mit dem Eintrag der Gemeinde oder Stadt ins Familienportal Oberfranken sein.

Und wie schafft die Gruppe mehr Familienfreudigkeit in ihrem Ort?
Schritt für Schritt. Wir sehen sieben große Ansatzpunkte für Familienfreudigkeit, aber die Reihenfolge und Bedeutung einzelner Themen ist in jedem Ort anders. Wichtig ist zum Beispiel, dass man Begegnungsmöglichkeiten von Jung und Alt schafft. Ein Altenheim braucht nicht mehr nur ein Altenheim sein, es darf dort Angebote geben, die auch Jugendliche dorthin bringen. Dazu braucht es Kreativität. Die Gruppe sollte als Fachgremium verstanden werden – immerhin setzt sie sich inhaltlich mit dem Thema auseinander.

Seit fünf Jahren besteht das Bündnis für Familien im Landkreis. Wie ist die Idee überhaupt entstanden?
Soweit ich weiß, gab es eine Multiplikatorenveranstaltung zum Thema Alleinerziehende. Daraufhin wurde die Frage gestellt, ob sich nicht ein Gremium zu diesem Thema gründen sollte. Das war den meisten dann aber zu eng gefasst. Sie wollten lieber das Thema Familie behandelt wissen. Frau Weissensel, Frau Gessner und Frau Friedrich, die damalige Gleichstellungsbeauftragte, die mittlerweile schon gestorben ist, haben sich hier als Netzwerkerinnen engagiert. Der Landkreis hat sich damals gegen eine Trägerschaft ausgesprochen. Dann haben Marietta Rösler und Cornelia Thron von Kronach Creativ geschaut, wie man das Ganze weiterentwickeln könnte. Parallel war die Bündnisidee vom Bund schon weit fortgeschritten. Also hat man darauf gesetzt und zur Gründungsversammlung geladen. Kronach Creativ hatte im Vorfeld beschlossen, die Trägerschaft zu übernehmen, da Familie eines der sieben Handlungsfelder des Vereins ist.
Die Notwendigkeit für eine solche neue Vernetzungs- und Kooperationsplattform war da, weil der demografische Prozess uns einfach Fragen stellt.

Was hat man seitdem erreicht?

Es gibt die Modellgemeinden: Ludwigsstadt, Pressig, Steinwiesen, Teuschnitz und Steinbach am Wald. Im vergangenen Jahr sind auch Kronach und Marktrodach hinzu gekommen.
Aus unserer losen Bündniserklärung ist eine umfassende Vereinbarung geworden, in der die Zielsetzung und das Vorgehen fixiert sind. Und wir haben ganz neu eine Infobroschüre erstellt, die unter anderem interessierten Gemeinden und Städten Hilfestellung bietet, ihre Familienfreudigkeit voranzutreiben.

Was gibt es noch zu tun?
Wir erarbeiten Strategien, wie wir die über 120 Bündnispartner weiter stärken können. Wir wollen einen Weg finden, auch Unternehmen mehr für die Bündnisarbeit zu interessieren, denn das Thema betrifft sie genauso. Spannend wird auch, wie Vernetzung und Austausch unter den Partnern noch effektiver werden können. Und beim Familienportal gibt es noch viele ungenutzte Ausbaustufen.

Wie kann man sich einbringen?
Jeder kann sofort vor seiner Haustür beginnen, Familienfreudigkeit im persönlichen und beruflichen Umfeld anzustiften, indem man beispielsweise auf neue Mitbürger zugeht oder einfach hellhörig ist, welche Bedürfnisse Menschen verschiedener Generationen äußern. Wir sollten einfach tun, was uns Freude macht!

Der Begriff „familienfreudig“ sorgt bei manchen für Verwirrung, ist doch weitläufig von Familienfreundlichkeit die Rede. Was hat es damit auf sich?
Bei Familienfreundlichkeit denken die meisten an Angebote für Familien. In Erweiterung dazu haben wir das Wort Familienfreudigkeit geprägt. Wir wollen die Lebensfreude, die wir an und mit Familien haben, ins Zentrum stellen. Wenn wir miteinander Freude erleben, wenn es uns und unseren Familien hier gut geht, haben wir Kraft und sind vital und werden von ganz allein wieder wachsen.

 

Quelle: Fränkischer Tag, 7. November 2012